CDs

🎵 Ab Dezember 2023 sind Einspielungen von Musica Tre Fontane auf Streaming-Plattformen zu finden: Apple Music, Amazon Music, Deezer und Spotify – und selbstverständlich weiterhin auf CDs sowie in Konzerten. 🎵

Ensemblemusik

Nach seiner ersten Japanreise mit Konzerten in Tokyo, Niigata, Kyoto, mit unvergesslichen Eindrücken japanischer Freundlichkeit im täglichen Umgang, japanischer Begeisterung bei den überfüllten Konzerten, japanischer Zugewandtheit in Gesprächen und Interviews mit Kollegen, Redakteuren, Komponisten, entschloss sich das Ensemble, eine zweite Einspielung vorzunehmen, diesmal auf CD.

Das Cover-Bild war inspiriert von dem Erlebnis der Kirschblüte in Kyoto, wo gemeinsam mit japanischen Konzertmanagern und -besuchern, darunter dem Komponisten Hirose, nach dem Konzert bei Vollmond ein uralter, blühender Kirschbaum besucht wurde. 

Zu hören auf Apple Music, Amazon Music, Deezer und Spotify.

Musica Angelorum

Engel, Gottesboten, haben zu allen Zeiten die Fantasie von Künstlern angeregt. In der Musik ist das Thema schon vom frühen Mittelalter an zu verfolgen: die kirchliche Liturgie ist voll von Engelsworten wie ”Gloria” und ”Sanctus”, die dann in gesungener Form musikalische Ausprägung finden. Das älteste Zeugnis in dieser Aufnahme ist ein Stück byzantinischer Liturgie aus der Zeit um das Jahr 550.

Die ”Engelsmusiken” in Bachkantaten und Werken anderer barocker Meister zeigen in ihrer tiefen Frömmigkeit, dass wir uns durch unsere Vorstellungen täuschen lassen, wenn wir die barocken Engelchen der Baukunst als ”unernst” abtun.

Die Nähe zu Gott als wesentliches Attribut der Engel ist das Thema des ”Ave Maria” mit dem Gabriel Maria anspricht. Die Transformation des Menschen in Folge dieser Engelsansprache ist Gegenstand der ”Verwandlung” von Renate Dörfel-Kelletat. Mit Mitteln der avantgardistischen Blockflötentechnik wird an der Gestalt der Maria gezeigt der Einbruch der fremden Transzendenz in unsere Alltäglichkeit, der menschliche Widerstand gegen das Engelswort, das radikale Veränderung der Lebensumstände verheißt, und schließlich die Bereitschaft, Gott anzunehmen. 

Ave Maria

Musik ist “tönende Bewegung”. Zur freischwebenden Melodie mittelalterlicher Gregorianik geformt, ist sie dem Wort verpflichtet, wandelt es zum klingenden Wort, im Magnificat oder in einer das Canticum als Kehrreim umsingenden Antiphon.

Im Anonymus (England) wird die Melodie im Diskant eines polyphonen Geflechts ”zersungen”, das Wort wird im (instrumentalen) Klang ”ausgelegt”.

In Bachs Choralsatz Meine Seele erhebt den Herrn wird Musica zur ”Klangrede”. Das Canticum wird angestimmt von der Ecclesia, der ganzen christlichen Gemeinde. Ähnlich der musikalisch Ausdruck in Praetorius’ Liedsatz. Die ”gute Mär” wird im Gewand milde leuchtender Klänge weitergesagt.

Im Ecce Maria des Lautenmeisters Louis de Milan, in den Motetten des Cristobal Morales und seines Schülers Th. Luis de Victoria bleibt das ”klangschöne Gleichmaß” der Satztechnik Palestrinas erhalten, aber der musikalische Ausdruck wird gesteigert, vor allem durch vom Taktwechsel ausgehende Bewegungsimpulse und durch Diminution des melodischen Materials.

Anders die stille, anmutige Klangrede Dufays, die sprechende Gestik im Gesang, verbunden mit sparsam dezenten Klängen der Flöten. Dieses schlankgliedrige gotische Ziergeschmeide kündet ein Neues an: die Gleichberechtigung, Gleichwertigkeit aller Stimmen im polyphonen Gewebe, im Fließen der energiegeladenen Bewegungszüge, zugleich tönendes Abbild der kosmischen Baugesetze Gottes. Das alles, das Neue, im Werk Ockeghems: Wortgezeugte Motive wandern durch alle Stimmen, Tongebärde deutet den Sinngehalt, die ”Seele” des Wortes. Josquin des Prés baut die Ausdruckskunst der musica reservata weiter aus, mit Tonfiguren im wunderzarten “Ave Maria”, dem weiten Anruf zu Beginn; ausziseliert das “Gratia plena”, weitgespannt das “Dominus tecum”. Beim “Solemni plena...” verdichtet sich der Klang zu akkordischer Deklamation. Paariger Wechsel der Stimmen, motivische und melismatische Ausformung der melodischen Linie, Taktwechsel, Pausen, ruhende Akkordsäulen in den Schlusstakten: “O Mater Dei ... AMEN”, das ist zugleich edler Sinnenklang. Affekte stehen im Blickfeld. Josquin des Prés wusste um die Wirkungsmacht der Musik, fügt das Klangmaterial “ethisch”, auf platonische Ethoslehre zurücklenkend. Auf engstem Raum zeigt sich das Prinzip der musica reservata in der Motette Hodie apparuit von Orlando di Lasso; die Stimmen singen vom Geheimnis der Menschwerdung Gottes.

Die anonym überkommene Cancone und Henry Purcells Fantasy sind Spielstücke, mehrteilig, ästhetischer Genuss zur sinnvollen “Erfüllung der Muße” (Aristoteles).

Tarquino Merula hat entscheidend zur Umbildung der Canzone des 16.Jh. zur Kirchensonate beigetragen. In seiner Sonata chromatica kommt die Schönheit und Charakteristik der Chromatik zum Ausdruck, und das in der Tonordnung jener Zeit, der sogenannten “Mitteltönigkeit” mit den natürlich-harmonischen Terzen und den echten Chromata. Es ist der hohen Spielkultur des Hamburger Blockflöten-Ensembles zu verdanken, dass das originale Klangbild in seiner farbigen Schönheit dargestellt werden konnte.

Das gilt auch für Bachs “Kunst der Fuge”. Ein halbes Jahrtausend abendländischer Polyphonie klingt auf. Alle Bauelemente der Harmonik werden genutzt, horizontal-melodische und vertikal-harmonische Kräfte vereinigt im “harmonischen Kontrapunkt”. Kosmische Zahlen durchwirken das Geschaffene, Zahlensymbolik legt Verborgenes frei, erhellt “dunkles” Wort, weist hin auf den lebendigen Gott und die Geheimnisse seines Tuns. Eine Art Abbild des Augustinischen Gottesstaates.

Mozarts Fuge in g-moll (seiner Lieblingstonart!) ist ein edler Nachklang dieser hohen Kunst.

“Virgo Maria”, instrumentiert zur plastischen Schau einer Prozession, gibt andersartigen Klangmischungen Raum.

Im “Stella Maris” (1993) von Renate Dörfel-Kelletat steigen perlende, glasklare Klangfontänen auf, und im “Dialog” (1994) lassen ungemein reizvolle neue Klänge aufhorchen. Eine ausdrucksstarke Klangrede.

Von der Gregorianik des Mittelalters bis zur Gegenwart: Vielfalt der Formen, Fülle der Klänge, Wirkung des Spiels der musikalischen Kräfte, “Symphonalis est anima”.

(H. Kelletat) 

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Musica Graciosa

Befiehl dem Engel

Der Titel stammt aus einem alten Abendhymnus, der – in Übersetzung – bis in das gegenwärtige Gesangbuch überliefert ist: “Christe, du bist der helle Tag, vor dir die Nacht nicht bleiben mag"” Die vorletzte Strophe beginnt mit der Bitte, Gott möge die Engel senden zum Schutz vor den Anfechtungen des Bösen und als Wächter zur Bewahrung der Menschen in den Stunden des Dunkels.

In der Nähe des Unnahbaren besingen Engel in beständigem Jubel die Schönheit und Erhabenheit Gottes: “Heilig, heilig, heilig...”

Als Boten Gottes spielen Engel eine wichtige Rolle in der christlichen Frömmigkeit. So besingen es auch die Motetten von Jean de Castro, “Herr gedenke Deines Bundes und sende uns Deinen Engel...”, und Michael Praetorius, “Der Engel bestimme das ganze Leben...”.

Doch sind Engel älter als alle Religionen und begegnen uns in unterschiedlichen Traditionen mit ganz verschiedenen Namen und Gesichtern. Viele von ihnen sind in die Texte der Bibel und in die Lehre der Kirche aufgenommen. Engel verkünden den Hirten die Geburt Jesu im Stall zu Bethlehem (Motetten von Pietro Vinci und Michael Praetorius) und auch die Frauen, die am Ostermorgen ratlos vor dem leeren Grab in Jerusalem stehen, erfahren durch Engel, dass Jesus auferstanden sei (Motette von William Byrd).

Zwei Engel tragen in der Bibel Namen: Gabriel, der Maria die Geburt eines Kindes verheiĂźt und immer fĂĽr den Neuanfang, fĂĽr den Morgen und den Osten steht, und Michael, der als Seelengeleiter der Verstorbenen dem Bereich des Todes und der Nacht, dem Abend und dem Westen zugeordnet ist.

Sind im biblischen Denken die Phänomene “Engel”, “Geist”, “Wind” und “Atem” eng miteinander verbunden und zeitweilig synonym, so trägt das Instrumentarium des Ensembles dem in besonderer Weise Rechnung: Blockflöten (“wind instruments”) und die menschliche Stimme werden erst durch den Atem zum Klang gebracht.

Das Programm lädt ein zu einer neuen Begegnung mit den alten Symbolen, zur ruhigen Betrachtung und zur lebendigen Inspiration. 

Musik zum Paradies

In unserer Zeit ist „Paradies“ verkommen zum „Schlaraffenland“, wo alles dem Leibe Dienliche in Hülle und Fülle zur Verfügung steht. Für die Verfasser der biblischen Texte ist das Paradies viel mehr: der Ort und die Zeit des Friedens, die ursprüngliche, unverfälschte und die durch Gott geheilte Schöpfung.

Die Motetten von Jean de Castro fragen nach einer Ethik, die der Vorstellung des Paradieses als eines Ortes des Friedens entsprechen würde: als Kinder Adams gehen alle Menschen aus dieser anfänglichen Harmonie hervor (Si pater est Adam ) und dürfen aus der Hoffnung leben, daß sie eines Tages wiederum in dieses ursprüngliche Gegenüber zu Gott zurückkehren. (Felix ille animi).

Auch muslimische Dichter haben Worte gefunden, um diese segensvolle Integrität zu beschreiben: In den von Annemarie Schimmel ins Deutsche übertragenen Gedichten wird die Ästhetik orientalischer Architektur als ein Vorgeschmack paradiesischer Vollkommenheit gedeutet.

Abendländische Dichter verstehen Christus als den Schlüssel zu diesem Paradies, wo der Mensch, wie verletzt, zerrissen, fragmentarisch sein irdisches Leben auch ist, sich im Angesicht Gottes doch wieder ganz und geheilt erfährt. Davon sprechen die Choräle der Weihnachts- und Osterzeit – Heut schleußt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis ..., Ubi sunt gaudia, ...der uns erkauft das Paradeis. Sie singen damit von der Erinnerung und der Sehnsucht nach dem verheißenen Paradies, wo der Himmel die Erde berührt, das Verwundete heilt und uns die Augen öffnet für alles, was Frieden stiftet. 

Indian Flute

Die meisten Stücke für Ensemble entstanden in Hinblick auf das Hamburger Blockflöten- Ensemble und einige für Musica Tre Fontane. Einige sind mit der inspirierenden experimentierfreudigen Kooperation des Ensembles erst in ihren fertigen Zustand gekommen. Schönste Erinnerungen an intensive Erlebnisse, die wir auf unseren weiten Reisen mit dieser Musik hatten, verbinden sich für uns mit den Stücken, besonders mit Verwandlung in unserer Musica Angelorum und dem Dialog aus dem Ave Maria-Programm.

Alle Programme mit geistlichem Inhalt spielten wir, bevor wir an eine Aufnahme dachten, in Klöstern, in der Gemeinschaft von Ordensleuten, die so konzentrierend hören können.

Petit four spielten wir zum ersten Mal in der Hamburger Musikhalle und Homage à Serocki und La Source im Großen Sendesaal des NDR. Manchmal versuchten wir zu erklären, dass es unmöglich sei, eine vierstimmige Fantasie von Purcell oder auch ein avantgardistisches Stück gut zusammen zu spielen, wenn man nicht ein lupenreines Unisono zustande brächte, aber es geschah immer wieder, dass Zuhörer, wenn wir einen mittelalterlichen Tanz wie Tortorella oder Stella Maris gespielt hatten, fragten, wer von uns an den einstimmigen Stellen denn nun gespielt hätte. Unsere Antwort “alle zusammen” glaubten uns wenige.

Die Vier Lieder auf islamische Texte entstanden für das Konzert zum 80. Geburtstag der Hamburger Bildhauerin und Töpferin Monika Maetzel. Unter dem Eindruck der Ereignisse in Nahost und in den USA haben wir die beiden ersten auch in geistliche Programme übernommen.

Westwind – Ostwind ist eine Ehrung für den am 10. August 1998 tödlich verunglückten Arzt Dr. Manfred Jaschke, Initiator der Arbeitsgemeinschaft Chinesische Medizin in Berlin, der sich um die Verbindung von östlicher und westlicher Medizin unschätzbar verdient gemacht hat.

Die Miniaturen nach den japanischen Haikus erklangen zuerst im Spiegelsaal des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe, in einem Konzert, das wir gemeinsam mit dem japanischen Gambenquartett, dem Yukimi Kambe Viol Consort, gaben. An vielen Orten haben wir sie gespielt und die schönen Texte jeweils vor einer Miniatur gesprochen: englisch in den USA, französisch in der Suisse Romande, und in Tokyo haben Japaner eine Rückübersetzung aus dem Deutschen gelesen.

La Fontaine

Die Komposition für E.B. entstand nach der Begegnung mit der Schweizer Malerin Elisabeth Büchenbacher. Sie folgt der schenkenden Geste einer Quelle, die überschwenglich austeilt: vielfältig und komplex, dabei konkret und einfach. `Füllt die Jahre mit eurer Liebe; werdet einmal reif zur Ernte...und wie die Kinder!´

Tortorella und Stella Maris

Die beiden Tänze haben die Form mittelalterlicher Estampien.

Immer wieder die Tortorella, die Taube: aus dem geöffneten Himmel über dem Jordan, über Taufbecken, Kirchenportalen, auf der Piazza San Marco und vor meinem Fenster: Zeichen des Geistes, Friedensbotin, Gejagte.

 Über den tosenden Wellen des Meeres, dem Sausen des Windes mitten im Dunkel das Funkeln des Stella Maris, des “Meersterns” – es gibt Orientierung für die in den Fluten Fahrenden, sammelt alle Verstreuten wieder ein.

Verwandlung

 Jenseits des Spiels der Rollen von Name, Form und Eigensinn geschieht Verwandlung. Loslassen wird möglich. Die Grenzen werden umgeschmolzen. Leib, Seele und Geist erwachen in einer neuen Gestalt.

Missus Gabriel des coelis / Resurrexi .

Diese gregorianischen Gesänge sind einer Sammlung von ungarischen Handschriften entnommen, die von der Ungarischen Akademie der Wissenschaften herausgegeben wurde. In deren Vorwort finden sich u.a. folgende Sätze, die uns ermutigten, die Gesänge auf diese Weise zu gestalten. “Die Schwerpunkte der Melodie sowie die Zusammengehörigkeit der Töne werden nicht durch grobe Akzente oder durch dynamische Wirkungen hervorgehoben sondern durch eine freibehandelte Agogik und Empfindlichkeit für Zeitunterschiede und Abwarten, ohne die Beständigkeit der gestaltenden Energie zu gefährden. Im 14. und 15. Jh. ertönte der gregorianische Gesang bereits oft mit mehrstimmigen Sätzen abwechselnd. Die mehrstimmigen Gesänge erklangen aber notwendigerweise in gregorianischer Umgebung nie in einem Zug. Beiden kommt auch heute noch der Kontrast zum anderen zustatten. Das Gregorianische wird das Grundmaterial sein, worein sich hier und da als besondere Zierde ein eingefügter mehrstimmiger Satz mischt.” Bei uns besteht die “besondere Zierde” nicht nur in mehrstimmigen Einfügungen sondern auch in den einstimmigen “Ornamentationen”. Gregorianik von Frauenstimmen gesungen hat eine bis ins Mittelalter zurückreichende Tradition; man denke an die zahlreichen Frauenklöster, in denen die Gregorianik auch ihren festen Platz hatte.

Unendliche Stille

Die vier Miniaturen zu japanischen Haikus in der Nachdichtung von Manfred Hausmann sind nach der ersten Japantournee des HBE 1991 —noch ganz unter dem Eindruck des Erlebten— entstanden. Wir hatten uns beim alten Meister Suzuki im Bann seiner konzentrierten Stille aufgehalten, hatten mit Ryohei Hirose den Vollmond durch Bambus und Kirschblüten betrachtet und hatten in Tempeln und im Theater einen Umgang mit der Zeit kennengelernt, der sich von dem unseren so sehr unterscheidet. Die Vertonungen malen die Atmosphäre der Haikus wie mit dem Strich eines Pinsels.

Hommage Ă  Serocki

Kazimierz Serocki gehört zu den Komponisten unserer Zeit, die Wesentliches beigetragen haben zur Entwicklung des modernen Blockflötenspiels. Gern spielten wir seine Kompositionen, auch in Konzerten, bis Veranstalter vermehrt an uns herantraten mit der Bitte, auf “geschützte” Werke zu verzichten, weil dies wegen der hohen Gebühren für sie zu teuer werde. Um den geschätzen Namen und den zukunftsweisenden Kompositionsstil aber dennoch in unsere Programme nehmen zu können, schreib ich zwei “Ehrungen” für Serocki, Hommage I und Hommage II à Serocki, von denen auf dieser Aufnahme die zweite zu hören ist. Es werden hierin seine Techniken in seinem Sinne eingesetzt, so entsteht eine Musik ähnlich seinen “Improvisationen” (Hommage I) und seinen “Arrangements” (Hommage II), beide Hommages wurden in den 80-er Jahren im NDR uraufgeführt.

Trio Grazioso

Geschrieben für meine damals 15-jährige Schülerin Daniela war Trio Grazioso zuerst ein avantgardistisches Solostück. Die Dreistimmigkeit wurde durch Akkorde hervorgebracht. Als meine Begeisterung für die sogenannte Avantgarde nachließ, machte ich aus dem Solo eine dreistimmige Fassung.

Petit Four

Eine Süßigkeit, Petit Four, wurde serviert zum Gedenken an den 100. Geburtstag des Komponisten und Musikwissenschaftlers Hans Gal, der uns kurz vor seinem Tode wunderbare Kommentare zu unserem Spiel gegeben hatte. Die filigranartigen Arpeggien würden sich wohl eignen, auf dem Klavier gespielt zu werden, von einem Spieler; reizvoll ist, sie von vier miteinander vertrauten Flötisten im Ensemble zu hören. Keine Linie, die nicht in unmerklichen Übergängen von Instrument zu Instrument weitergegeben würde. “Hohe Schule des Ensemblespiels überzeugend dargeboten” schrieb ein Kritiker nach der Uraufführung 1990.

La Source

In der kleinen dunklen Kapelle des Klarissenklosters La Grant Part, gelegen oberhalb von Vevey/Schweiz, tropft das Wasser einer Quelle in ein Steinbecken. Unterschiedliche Tonhöhen, unregelmäßige Tonfolgen mischen sich mit dem Gesang der Ordensschwestern und den Geräuschen der Umgebung, z.B. dem Läuten der Glocken des buddhistischen Tempels auf dem Mont Pélérin. Es bleibt dem, der sich in die Stille dieses Raumes begibt, überlassen, sich vorzustellen, wie das Wasser, diese bescheidene aber beständige Lebensquelle, anwächst zu einem Strom und wie dadurch das, was an einem solchen geheiligten Ort gelebt wird, in die Welt fließt und was dies bewirkt. In der Kapelle verbleibt das stete Tropfen.

Westwind / Ostwind

 Wind auf der Oberfläche des Wassers, läßt bald Gekräusel, bald Wellen entstehen oder gibt den Blick in klare Tiefen frei, offenbart Vergangenes und Zukünftiges, überbrückt, verbindet und eint, singt sein Lied - und zieht weiter.

Dialog

   Im Dialog öffnen sich die Begrenzungen für Botschaften des Gegenüber. Das Ich steht in Frage, angelegt aufs Werden aus dem Du. Im Dialog bleibt nichts wie es war. Quantitäten machen sich den Raum streitig - Qualitäten ergänzen einander.

Frage

Wiederbegegnung mit einem Freund nach Jahrzehnten. Hinter dem Ruf der gregorianischen Melodie zu Beginn erheben sich Fragen und Ahnungen, Klagen und Seufzer. `Nun bist Du wieder da. Doch mein Leben ist geworden ohne Dich. Was – wären wir nicht auseinandergegangen?´ Die Wiederbegegnung wird zur Herausforderung: den Kernschatten des Glücks mit Licht zu füllen; den Text des Gelebten neu zu buchstabieren.

Vier Lieder nach islamischen Texten

   Den Text der von Annemarie Schimmel übersetzten muslimischen Gedichte zeichnen die vier Bicinien mit musikalischen Mitteln nach: die demütige Geste der Rundbögen und das “schweigende Zu-Gott-Aufsteigen” der Kuppeln der Tempel, das Geheimnis der “Stadt, die der ganzen Menschheit ein Herz war”, den Gesang der Nachtigall, das Glitzern der Tautropfen, das Tropfen der Tränen.

Nachhall

 Was bleibt von der Musik, wenn der letzte Ton verklungen ist? Was geschieht mit dem Gesang, den die Steine von Kirchen und Tempeln über Jahrhunderte hin in sich aufnehmen? Wo endet das Lied des Windes?

Indian Flute

   Eine Psalmmelodie --vernommen in der Schweizer Communauté de Grandchamp-- taucht wieder auf beim Betrachten des Flöte spielenden Krishna. Eine Miniatur von Brahmananda steht schon lange auf unserer Fensterbank und begleitet das tägliche Üben und Unterrichten. Was spielt dieser indische Meister? In der Begegnung mit der kleinen Krishna-Gestalt löst sich die gelassene Statik der gregorianischen Melodie in fließende Bewegung, beginnt sich zu drehen, erhebt sich tanzend ... und bleibt zugleich in der steten Anwesenheit der gregorianischen Melodieelemente geerdet.

Dank an eine Freundin

Diese CD wäre nicht entstanden ohne das hartnäckige Drängen der Malerin Tatiana Ahlers-Hestermann (1919 – 2000), die bis zu ihrem Tode jedes unserer Hamburger Konzerte besuchte und auch so manches im Hamburger Umland und immer wieder mahnte, ich solle doch einmal eine CD mit meinen Kompositionen zusammenstellen.


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Lux vita est

Die Musik und die Texte dieser CD entstanden aus Geistlichen Musiken zum Thema „Licht“. Sie können helfen, den inneren Raum zu bereiten und empfänglich zu werden für die schöpferische Dimension des Lichtes: Licht – Bedingung und Vollendung aller Lebendigkeit, Sinnbild des Schöpfers, Glanz dieser Welt und der Welt, die kommt

Music and words in this recording were derived from spiritual concerts focusing on the subject of LIGHT. This music is intended to help create within us the readiness to perceive the creative dimension of light: light, being the pre-condition of all life, the symbol of the creator, the radiance of this world and of the world to come.

La musique et les textes de ce CD - tous centré autour du thème de la lumière - peuvent nous aider à nous préparer spirituellement à être sensible à la dimension créatrice de la lumière. La lumière: c'est la condition d'être de toute vie et de son accomplissement, reflet du Créateur, lumière du monde à avenir.

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Cembalomusik

Wilhelm Friedemann Bach 1710 - 1784

Christe, der du bist Tag und Licht

Choralbearbeitung Falck 38,1b, o.J.

Fuga Ă  3 in F

Falck 33, vor 1735

Johann Gottfried Walther 1684 – 1748

Herzlich tut mich verlangen Choralvorspiel

Johann Pachelbel                 1653 – 1706

Drei Choralvariationen      aus Musicalische Sterbegedanken (1683)

Herzlich tut mich verlangen   Choral mit sieben Partiten

Was Gott tut, das ist wohlgetan                          Choral mit neun Partiten

Werde munter, mein Gemüte  /  Choral mit vier Varationen

Dietrich Buxtehude            1637 – 1707

Drei Choralbearbeitungen aus BuxWV 212 bis 223

Nun lob mein Seel den Herren

Vater unser im Himmlereich

Wie schön leuchtet der Morgenstern

Long Time Ago

Sir Edward Elgar

1857 – 1934

Was it some golden star?

A child asleep

Oh, soft was the song

There are seven that pull the thread

Twilight

 

Franz Schubert

1797 – 1828

Die Forelle

Auf dem Wasser zu singen

Der Wanderer an den Mond

Schäfers Klagelied

Ave Maria

Im FrĂĽhling

Der Musensohn

 

Ralph Vaughan Williams

1872 – 1958

Orpheus with his lute

Procris

Tired

Silent Noon


Felix Mendelssohn Bartholdy

1809 – 1847

Auf FlĂĽgeln des Gesanges

Pagenlied

Venetianisches Gondellied

Nachtlied

Andres Marienlied

GruĂź

 

Aaron Copland

1900 – 1990

Simple Gifts

At the River

Ching-a-ring Chaw

Long Time Ago

O Jerusalem

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Windgesang

Windgesang – Das Titelstück, Nr. 9, Windgesang, von Renate Kelletat, entstand aus Eindrücken auf den Ensemblereisen in Japan und Gesprächen mit japanischen Musikern wie Ryohei Hirose und Somei Satoh und aus dem Hören von Musik der japanischen Bambuslängsflöte Shakuhachi.

Wind ist unsichtbar und unfassbar. Er säuselt, singt, weht, lässt Blätter tanzen und Bäume schwanken, heult, fegt, braust, tobt und ist bedrohlich als Sturm. 

Im WINDGESANG klingt all dies an. Unüberhörbar sind die vielen Fragen: solche, die rufen, andere die Zweifel, ja Verzweiflung ausdrücken und einige die schreien, bis der Schrei keine Stimme mehr hat, und nur noch ein Geräusch zu hören ist. Spürbar und erfahrbar ist der Wind, und berührend.

Viele Fragen werden auch in anderen Musiken auf der CD hörbar und artikuliert: So steht die Friedenssehnsucht, die sich in Texten der großen Religionen so unterschiedlich hörbar macht, im Mittelpunkt des Hymnus Nr. 4. 

Texte europäischer und asiatischer Mystiker in Vertonungen von Renate Kelletat und Stücke früh- und hochbarocker Komponisten sind zu hören.


Song of the Wind  The part lending its name to the CD, #9, was strongly influenced by the tours of the ensemble to Japan, where they had contact with musicians like Ryohei Hirose and Somei Satoh. And they listened to the shakuhachi-flute.

Wind is invisible and cannot be grasped. It whispers, it sings, it blows, it lets leaves dance and trees reel, it howls, it rips, it roars and fumes, and, it is menacing when becoming a storm. Sound of the Wind lets all this become audible. There are many questions, some just calling, others showing doubt, despair, some do scream, until the scream looses its voice and is reduced to noise. The wind is perceptible and can be experienced. And it touches

.Many questions become audible in the other parts of the CD as well. The longing for peace is in the centre of the “Hymn” #4, featuring texts of the great religions Judaism, Christianity and Islam.Word of mystics from Europe and Asia, set in music by Renate Kelletat, can be heard. And music from composers of the early and the late baroque periods.

 

Le Chant du Vent - titre principal (no.9) de l'album est inspiré par les impressions des voyages de l'Ensemble au Japon, la rencontre avec des musiciens japonais Ryohei Hirose et Somai Satoh, ainsi que par le son de la flûte traversière japonaise Shakuhachi.

Le vent est invisible et non tangible. Il chante, souffle et cri , fait danser les feuilles et bouger les arbres, devient une tempĂŞte dangereuse.

Dans la composition "Le Chant du Vent" on peut entendre tout celà. Il y a plein de questions: quelques-unes qui crient, d'autres qui expriment le doute et le désespoir, et encore d'autres qui crient fortes jusqu'à ce que le cri n'a plus de voix et devient seulement un bruit.. Le vent touche et devient donc une expérience concrète.

Beaucoup d'autres questions s'expriment dans plusieurs compositions de l'album. Au coeur de l'"Hymne" (no.4.) l'espoir d'une paix réelle, exprimé de multiples manières dans des textes des grandes religions. Il y a des textes des mystiques de l'Europe et de l'Asie, mis en musique par Renate Kelletat ainsi que des compositions pré-baroques et baroques.